· 

Die Botschaft lautet Genuss!

Taube in Blätterteig
Taube in Blätterteig

(Zum Vergrößern Bilder klicken)


Das Bergische Land hat mit Christopher und Alejandro Wilbrand zwei Genussbotschafter benannt, mit denen sie es nicht besser hätten treffen können. Die beiden Wilbrand-Brüder gehören nicht nur ins Bergische, sie sind auch weit über dessen Grenzen hinaus bekannt.  Ihre Küche wird seit 2004 – und dies ohne Unterbrechung! - im Michelin mit einem Stern ausgezeichnet. Hochachtung gebührt dem konstant hohen Niveau und Beachtung der Bodenhaftung der Brüder, die das Restaurant und Hotel „Zur Post“ in Odenthal von ihren Eltern übernommen haben. Frühzeitig wurden sie in das Familienunternehmen eingebunden und lernten schnell Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht auch das Grund dafür, dass auch ein Besuch im Sternerestaurant für keinen Gast eine Hemmschwelle bedeutet. Etikette und Stil auf höchstem Niveau - ganz natürlich. Wir haben uns für einen Besuch am Abend entschieden und ließen uns von Küche 

sowie Service bei einem Abendmenü verwöhnen. Das Abendmenü wird in unterschiedlich vielen Gängen angeboten sowie mit oder ohne Weinbegleitung ebenso steht aber auch eine alkoholfreie Getränkebegleitung zur Wahl. Sonderwünsche bezüglich Allergien oder anderen Animositäten werden vom Service freundlich entgegengenommen und in der Küche selbstredend umgesetzt. Als Aperitif gab es einen Rieslingsekt aus der Magnum vom Weingut Kallfelz von der Mosel. Ein trotz Riesling mit wenig Säure behafteter Sekt. Für mich war es eine besondere Freude ihn zu trinken, wurden doch sofort Erinnerungen wach und Geschichten von und mit Albert Kallfelz lebendig.

Pavé von der Gänseleber - Feigen - Butterbrioche
Pavé von der Gänseleber - Feigen - Butterbrioche

Nach einem ganz und gar nicht „Kleinen“ Gruß aus der Küche durften wir als ersten Gang ein Pavé von der Gänseleber genießen. Ein auf der Zunge zergehendes Erlebnis in Verbindung mit Feige und einem Stück Butterbrioche. Die von der Restaurantleiterin Sonja Schiefer empfohlene Weinbegleitung, ein Wein vom Weingut Christoph Bauer aus Österreich, war gut gewählt. Das Störfilet von der Fischzucht Hahn in Wipperfürth als nachfolgender Gang,  geriet für mich ob des Karottenschwarzkümmelschaum fast zum Beiwerk. Die Stange Winterspargel rundete die Optik ab, war für mich aber nicht notwendig. Die Erdnuss wunderbar eingebracht. Der 2011er Karthäuserhofberg, Riesling, Großes Gewächs von der Ruwer kam im Gabriel-Glas wunderbar zur Geltung.

Nach der gebratenen Jakobsmuschel und dem Schwarzen Perigord Trüffel – für die Trüffelkenner es war ein Tuber melanosporum Vittadini, er versteckte die Spinatcreme und das Onsenei, welches in Kombination mit dem Geschmack des Kohlrabi und der Haselnuss sehr wohl dem intensiven Trüffelgeschmack trotzte und eine köstliche Symbiose einging. Und – jetzt muss ich dem allen etwas vorgreifen – kam für mich das absolute Küchenhighlight des Abends, nicht angekündigt, wie der Überraschungsgast eines Galaabends. Taube im Blätterteig! Sensationell!

Bergischer Rehrücken
Bergischer Rehrücken

Als Erfrischung und Vorbote des Hauptganges servierte man ein Bergamotte-Zitronensorbet. Die Geschmacksnerven freuten sich anschließend auf Bergischen Rehrücken und dieser kam dann unerwartet auf zwei Tellern daher. Versteckt unter einer Pinienkernkruste deklarierte der Hauptdarsteller die begleitenden Waldpilzcannelloni , Berglinsen, das Holunderjus sowie den Apfel fast schon als Statisten. Angerichtet erweckte es in mir ein Bild einer Waldlichtung im Morgengrauen. Herrlich! Etwas unscheinbar erschien der zweite, den Hauptgang begleitenden Teller. Zu Unrecht! Ich konnte den Wunsch nach Nachschlag gerade noch unterdrücken auszusprechen. Absolut großartig die Kombination aus Rehsauerbraten mit Wirsing und Blutwurst.  Glücklich, zufrieden, satt. Das Glas mit einem Rest 2014er Pinot Noir vom Weingut Becker aus der Pfalz.

Störfilet - Kaviar - Haferwurzel - Winterspargel - Karottenschwarz-kümmelschaum - Dill - Erdnuss
Störfilet - Kaviar - Haferwurzel - Winterspargel - Karottenschwarz-kümmelschaum - Dill - Erdnuss

Wer jetzt allerdings denkt, satt heißt bei mir auch satt, kennt mich nicht. Satt heißt bei mir lediglich es geht nur noch Dessert. Ich weiß, nun gibt in der Küche Christopher Wilbrand das Zepter an seinen Bruder Alejandro ab. Alejandro, Patissier des Jahres und Patissier aus Leidenschaft verwöhnt uns abschließend mit geeister Banane und dreimal Passionsfrucht – als Getränk begleitete dieser Gang der Rum Plantation.

 

Ihn zeichnet sein Geschmack nach Ananas aus. Rum und Ananas verbringen einige Wochen gemeinsam in einem Holzfass bevor er gefüllt wird. Und dann kam er – der krönende Abschluss eines überwältigenden Menüs. Warmes Mohntörtchen mit Preiselbeersorbet und Schokoladenerde. Ich mag keinen Mohn… Jetzt, aber nur in dieser Form, ja und gerne immer wieder. Die Beerenauslese aus Österreich, das i-Tüpfelchen.

 

Auszeichnungen alleine machen nicht satt, nicht zwingend glücklich. Zum Restaurant „Zur Post“ in Odenthal gehören sie. Zwingend und verdient. 

LaViaVita  

[Von Bettina Linnig, Handy-Fotos Joachim Gärtner]  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0