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Alles gut!

Ich habe es getan! Bei meinem letzten Besuch im Saarland war ich am St. Arnualer Markt in Saarbrücken. Nicht nur der Saarbrücker weiß, was das heißt. Ich war im „Unter der Linde“. Einem Wirtshaus, einem Restaurant, einem Treffpunkt mit Freunden – einem Wohnzimmer. Für mich, wie für alle, die diesen gefühlten Ort des Nachhausekommens schon länger kennen, war dieses erste Mal nach dem Tod von Jürgen Becker, ein schwerer Gang. Verschleiert durch Tränen in den Augen. Die Schritte wurden immer langsamer und kurz vor dem Ziel entschloss ich mich, schnell links abzubiegen um zuerst den kleinen Laden „Wein & Leben“, der von Jürgens Frau Heike geführt wird, zu besuchen. Hier bekommt man Wein und die kleinen Dinge, die das Leben noch

schöner machen. Für sich selbst und zum Verschenken. Dort kaufe ich immer ein wenn ich in der Nähe bin. Mein Alibi, dann hast du mal was zu Hause wenn du mal was zum Verschenken brauchst. Haha. Ist natürlich alles für mich. Die Weine trinke ich gerne mit Freunden und hej! ich möchte doch auch schön leben! Aber das nächste Mal kaufe ich ganz bestimmt zum Verschenken… Dann bringe ich besser wohl eben mal erst die Sachen ins Auto. Und jetzt?

Mensch, der Sommerrosé – der dieses Jahr ein ganz besonderes Etikett trägt, das wunderbare Essen, die netten Unterhaltungen mit Menschen, die man dort so unkompliziert trifft – nein, ich fahre nicht ohne mir ein Stündchen Freude unter Freunden zu gönnen. Luft holen und rein.

Und? Es ist wie jedes Mal dort. Freundlich grüßt die Bedienung während sie das vollbeladene Tablett am Nachbartisch absetzt. Sieht so aus, als wären es Geschäftspartner, die für kurze Zeit ihr Büro hierhin verlagert haben. Einen Tisch weiter sitzt ein älteres Ehepaar und genießt das Essen. Ich überlege, mich zu dem zeitungslesenden Mann am hohen

Tisch in Tresen-Nähe zu setzen. Oder doch vielleicht nach draußen? Das Wetter ist toll und ein bunt gemischtes Publikum hat an den langen Tischen Platz genommen. Außer der schnellen Bedienung hat anscheinend niemand Eile. Vielleicht haben sie aber auch einfach die Zeit vergessen. Das passiert hier schnell. „Unter der Linde“ verbindet die

französische Lebensfreude mit deutsch-französischer Speisekarte. Die wunderbare Auswahl an Getränken lässt sicherlich auch niemanden etwas vermissen. Warum also sollte man hier so schnell wieder weg wollen? Sebastian hat die Stelle seines Vaters übernommen und wird durch ein großartiges Team unterstützt. Überall ist er zu finden. Hier ein Gruß, dort schnell zum Anstoßen kurz Platz genommen, mir schnell ein Glas Rosé hingestellt und trotz des munteren Treibens und der Grüße, die ihm die Gäste zurufen, findet er Zeit, mit mir über die Speisekarte zu sprechen. Die Mittagskarte wechselt wöchentlich, die Abendkarte wird durch das ein oder andere Gericht immer wieder ergänzt und bleibt somit

auch für die vielen Stammgäste immer ein kleines bisschen neu und anders. Frisch die Zutaten. Saisonal und wann immer es geht aus der Region. Die Zubereitung der meist deutsch-französischen Gerichte ist klassisch, modern interpretiert. Natürlich werden auch die Vegetarier und Veganer von der Küche nicht vergessen. Sebastian strahlt das aus, was hier gelebt wird – Freude am Leben! Danke, Jürgen für dieses Erbe. Und über den Rest reden wir, wenn wir uns irgendwann wiedersehen… Kontaktdaten sowie Speisekarte und weitere Informationen findet ihr auf www.linde1933.de

LaViaVita  [Text und Bild Bettina Linnig; zwei Food-Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Becker]

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Kommentare: 1
  • #1

    Heike (Freitag, 18 Mai 2018 22:23)

    Bettina� das ist schön was du geschrieben hast. Ich danke dir vielmals und es gibt uns Kraft und Freude weiterzumachen. Danke�