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Mythos Mosel

MythosMosel. In seinem Liebesbrief an die Mosel sagte Stuart Pigott „O Mosella, endlich bin ich wieder da.“ Und in Bezug auf die von der Mosel kommenden Weine „Ihre Wirkung ist weitaus mehr als die Summe ihrer Inhaltsstoffe und ist wunderbar unberechenbar.“ (Den vollständigen Text findet ihr im MythosMosel-Kalender 2019.) Oh, ja. Mythos Mosel. Ist man dort, wird es einem nach einiger Zeit zu eng, ist man ihr entflohen, kann man nicht ohne das Tal, 

 

die Menschen, die Mosel und ihren Nebenarmen und sowieso nicht ohne deren Weine sein. Letztere findet man heute weltweit, die Landschaft, den Moselaner nur dort. Wie ein Magnet, zieht die Mosel jedes Jahr am ersten Wochenende nach Pfingsten tausende Pilger aus der ganzen Welt an. Deren Ziel, 720 Weine, 120 Winzer, 30 Weingüter. MythosMosel. Wie jede Pilgerreise, ein emotionales, teilweise

 

schmerzliches, Erlebnis. Es ist ein kurzes Zeitfenster in dem es gilt, Entscheidungen zu treffen. An zwei Tagen stellt man sich immer wieder Fragen wie, habe ich mich für die richtigen Weingüter entschieden? Habe ich etwas verpasst? Disziplinierte Besucher haben natürlich einen Plan, den es gilt, minutiös abzuarbeiten. Andere, also ich zum Beispiel, lasse mich gefangen nehmen vom Mythos Mosel. So, wie ich es schon in einem 

 

meiner Bilder zum Ausdruck brachte, Schönheit liegt im Moment. Ich genieße den Moment bewusst, lasse mich treiben, vergesse die Zeit. Ich erlebe in wunderbarer Symbiose  die unterschiedlichen Arten der Architektur. Einerseits alt, ehrwürdig, Historie neu belebt, anderseits nüchtern, klar, modern. Da ist das Schloß Lieser zum einen, hier eröffnete MythosMosel mit einer gelungenen Abendveranstaltung das Wochenende, dort zum anderen die Coolness der Vinothek vom Weingut Axel Pauly, hier wurde am Samstagabend bis in die frühen Morgenstunden zur Livemusik getanzt und gefeiert.  So abwechslungsreich ist die Mosel, ihre Landschaft, ihre Weine und Menschen. Ist es nicht das alles, was den Mythos

 

Mosel so besonders und einzigartig macht? Ist dies nicht der Grund warum, einmal kennengelernt, man niemals wieder von ihr los kommt? Mir stand dieses Jahr nur der Sonntag zur Verfügung und fast wäre es beim Weingut Dr. Loosen, der ersten Station, geblieben. Ja, Mensch! Da kann ich aber jetzt wirklich nichts für. Dafür, dass die neu restaurierten Räume so viel Geschichte beinhalten, dass Ernie und Herr Prinz sich – wie immer - so verstehen und vor allem, dass die wunderbare Dorothee Zilliken, einer der Gastwinzer bei Loosen und von Gault Millau zur Winzerin des Jahres 2017 gekürt und ich uns so viel zu erzählen haben. Was wollt ihr wissen?

 

Wir sprechen, natürlich über Weine, ihre Weine und über ein Leben mit Gin. Oder ohne. Ok. Das wird eine separate Geschichte… Und was es im Weingut Dr. Loosen neues gibt, sowieso. Da ich aber nicht alleine unterwegs war, ging es dann doch irgendwann weiter und der, von Station zu Station neu erstellte „Plan“, führte uns zunächst auf einen Sprung zu Molitor. Schade, Roman Niewodniczanski, Weingut van Volxem, war zum persönlichen gratulieren zu 100 Parker Punkten nicht da, aber und das alternativlos, Daniela Weis vom Weingut Nik Weis, Sankt Urbans-Hof, Leiwen. Schön, sie zu sehen. Da es für den Moment ruhig war, war Zeit für ein Gespräch von Frau zu Frau. Passend zu den Weinen vom Sankt Urbans-Hof,

 

eine beachtenswerte und sympathische Persönlichkeit. MythosMosel so stilvoll. Stilvoll kann auch puristisch sein. Ge- und erlebt im Weingut Axel Pauly. Und Axel wusste, dass ich ihn liebte. Also den Puristen. Also seinen Wein. Axel Pauly wirkt wie ein Holzfäller aus Kanada, stark, gewaltig; überraschend, welche Sensibilität er bei seinen Weinen entwickelt. Fein und elegant sind diese. Mein Liebling, der Purist. Passt. Mythos Mosel. Gegensätze ziehen sich halt an. Bevor es zum Weingut Bastgen ging, machten wir noch einen Zwischenstopp im Weingut Paulinshof. Hier war das Weingut Cantzheim aus Kanzem zu Gast. Ein Weingut, von dem man in Zukunft ganz bestimmt noch

 

großes hören wird. Beachtenswert, was Anna Reimann und ihr Mann jetzt schon in die Flasche bringen! Im Weingut Bastgen, verfielen wir ein bisschen in Urlaubsstimmung. Ein kurzer Anstieg und schon wurden wir mit Aussicht und mediterranem Lebensgefühl belohnt. Und ich durfte für einen kurzen Moment einen der charmantesten, höflichsten und stilvollsten Winzer für mich alleine haben! Träumen darf ich doch wohl mal von einem Helden. Für Träumer und Helden heißt übrigens auch einer der Weine vom Rieslingpapst Nick Köwerich, Weingut Köwerich aus Leiwen. Ein Blick auf die Uhr und wir wissen, es ist schon fast wieder Zeit zum Abschied nehmen. Abschied von der

Mosel und für dieses Jahr von MythosMosel. Nächstes Jahr werden es wieder andere Weingüter sein, die zu sich einladen. Wir können "Auf Wiedersehen" sagen. Denn das werden wir. Uns wiedersehen. Sicherlich nicht erst nächstes Jahr. Denn dazu ist das Band, das uns verbindet, zu stark. Wir sitzen noch bei einem abschließenden Glas Wein zusammen (es waren zwei) und mir fällt ein Satz aus dem bezauberten Buch „Briefe von Ophelia und Jan“ von Annette Köwerich ein „Fast alles kann man mit Geld ersetzen: alles, außer Menschen und Tiere und Wein…“ …und den Mythos Mosel.

 

LaViaVita  [Text Bettina Linnig, Fotos Joe Gärtner, Bettina Linnig)

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